bin ich die Tage. Lautlos sind meine Tage. Ich rede nicht. Mein Mann redet nicht. Oskar sowieso nicht.

Und in mir schreit es. Es schreit und schreit und schreit. Ich wünschte mir, taub zu sein.

Geh da hoch und spring. Spring doch einfach. Hör auf zu Essen. Das dauert zwar länger. Aber funktioniert auch. Jetzt hast du gegessen. Übergeben ist so einfach. Mach es einfach. Du bist wertlos, hilflos, dumm. Hässlich, schau dir die Narben an, die Pickel, die Haare. Sei mehr wie die anderen Frauen. Wenigstens das. Du bist eh komisch, dann rasier dir doch wenigstens die Beine. Wertlos, wertlos, wertlos. Und wenn du dich nicht so fühlen willst, dann stirb halt.

Ich wünschte mein Kopf könnte mal genauso lautlos sein wie ich die Tage. Deswegen schlafe ich, viel wenn ich kann. Ich versuche zu essen, aber es schmeckt nicht, ich will es nicht. Ich schaue Filme, sie kriegen mich nicht. Ich mache Sport und hoffe, dass ich dabei umkippe. Taub, zumindest körperlich. Taub, wenn meine Therapeutin mir schreibt, dass meine Therapie verlängert wurde. Was soll ich denn erzählen? Ich möchte nicht mehr. Ich kann nicht mehr. Mein Mann will nicht darüber reden. Meine Freunde können nicht mehr darüber reden. Ich schäme mich darüber zu reden.

Was soll ich sagen? Ich bin wieder am Anfang, ich bin am Ende.

Lautlos zur Therapie? Ich hab mich die letzten Monate verkrümelt, mich in den letzten Winkel meines Innersten verschanzt. Und schreie.

8 Kommentare zu „Lautlos

  1. Heyhey! Es tut mir so leid, das zu hören! Nicht in so einer kopftätschelnden, herablassenden Weise natürlich… Also: es tut mir ECHT leid. Ich habe das Gefühl, du kämpfst jeden Tag so hart für jedes bisschen Positivität und jedes bisschen Licht- Und irgendwie wird es nicht „belohnt“- 😯

    Dabei bist du es mit Sicherheit wert, und deine Texte sind so ehrlich und tapfer. Ich lese dich echt gerne, egal, ob’s gute News sind oder nicht. 🙂

    Weshalb kannst du dich denn nicht (mehr) an Freunde und deinen Mann wenden?

    Alles erdenklich Liebe und schreib mir, wenn du magst! VVN 😊

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  2. Linchen, liebes Linchen: du wirst gelesen, gehört, geliebt. Bitte bleib hier. Ich mag dich, erkenne mich in vielem wieder was du schreibst. Und du umarmst auch Bäume! 🌲

    lies nochmal deinen Hinweis Nr. 11 und das hier: https://wp.me/paTywj-8t
    vielleicht erinnert es dich daran, dass es auch wieder bessere Zeiten geben wird.

    Du hast schon so viel erreicht, aber die Waage der Depression zeigt IMMER falsche Werte an!

    Hast du einen Zugang zu Spiritualität oder einer Religion? Das hat mir seit meiner großen Krise – und ich tu mich ein bisschen schwer das zuzugeben weil es so unrational ist – sehr geholfen, besonders in den schlimmsten Momenten.

    Liebes Linchen, steh auf, langsam und in deinem Tempo, für das Licht in dir, für dich.

    Herzlich, Anna

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  3. Ich hab das Gefühl, dass es einfach zu viel für andere wird, dir mir nahestehen und mein Mann mag einfach nicht und das ist okay.

    Jedes Mal, wenn ich einen Kommentar von dir lese, fühle ich mich ein wenig besser. Ihr bringt immer ein wenig Licht für ein paar Momente in meinen Alltag. Ich danke dir dafür ❤️

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  4. Ich würde dich gerade gerne umarmen für deine tröstenden Worte! Aber weil ich euch leider so nicht erreichen kann, kriegt Oskar einen Kuss für jeden von euch. Ich bin so erleichtert, dass ich wenigstens euch meine Stimme mitteilen kann.

    Und ja ich hab tatsächlich einen Hang dazu, manchmal bete ich zu etwas, aber selten für mich sondern für alles da draußen und für meine Mitmenschen🙈 Vielleicht mal etwas mehr für mich…

    Danke dir, liebe Anna, mit dir fällt es mir heute leichter aufzustehen ❤️

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  5. Liebes Linchen,
    Ich bin sehr gerührt von deiner Antwort – ja, auch dafür kann so ein Blog dasein, auch wenn man das nicht erwarten kann.

    Was die Gebete angeht: ich glaube in jedem Lebewesen ist etwas Göttliches, ein Funke der jenseits von Welt und Denken und Fühlen ist. Wenn ich bete, dann ist es die Hinwendung zu dieser Wahrheit. Meist formuliere ich gar keine Worte, sondern begebe mich in die Stille und Präsenz und fühle mich dann verbunden und gehalten. Und wenn ich dann die Pflänzchen in meinem Blumenkasten anschaue, die Nudeln auf meinem Teller oder die Kopfschmerztablette, dann ist das alles eins 🙏

    (Ich schreib dir das nicht, weil ich dich von irgendwas überzeugen will. Du wirst deinen Weg selbst finden.)

    Wenn du Lust hast, lies meine Geschichte mit dem Guardenzwerg. Vielleicht steckt da für dich auch was drin 🙂

    Trotz allem – wegen allem: einen schönen Sonntag dir, mit ganz viel Hundeknutschen 🐕💋

    Herzlich, Anna 🌱

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  6. Genauso fühlt es sich für mich auch an mit dem Beten!! Wie schön, ich finde selten jemanden, der das auch so fühlt!
    Und ich fühle mich auch ein bisschen wie dein Zwerg, nur dass ich nicht pfeifen kann 😀

    Den schönen Sonntag wünsche ich dir auch, danke dir! ❤

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