Wenn ich Artikel und Erfahrungsberichte lese, in denen steht, dass es Jahre dauern kann, bis Endometriose diagnostiziert wird, dass die betroffenen Frauen von einem Haufen Beschwerden begleitet sind unter anderem psychische Belastung geringes Selbstwertgefühl und wenig sexuelle Interesse aufgrund von Schmerzen, dann bekomme ich einen Kloß im Hals. Wenn ich dann daran denke, dass sie meiner Mutter eine völlig verwachsene Gebärmutter entfernt haben, ich es diagnostiziert bekommen haben und der Frauenarzt meiner Schwester zu ihr sagt, er glaube nicht, dass sie diese Krankheit habe, weil sie angeblich doch nicht so häufig vorkommt und eh nicht wirklich erforscht ist, werde ich einfach nur richtig wütend.

Nicht nur, weil ich nicht verstehe, warum Ärzte selbst bei Unwissenheit ihre Patienten nicht ernst nehmen und sich vielleicht mal informieren, sondern auch weil ich weiß, dass kein Mann 9 Jahre lang solche Schmerzen und Beschwerden aushalten müsste, bis ihm endlich geholfen wird. Allgemein würde es schon eine erfolgreich heilende Methode dagegen geben, wenn einer von zehn Männern solche Schmerzen hätte.

Und nein man sieht einer Frau das nicht an, dass sie diese Krankheit hat und mit dem Ultraschall sieht man es auch nicht oft. Und nein es ist nicht immer psychosomatisch oder ein Reizdarm oder normal.

Morgens nicht aufstehen zu können, weil einem vor Schmerzen schlecht wird ist nicht normal. Und das würde man auch keinem Mann sagen. Aber Frauen müssen sich das immer wieder anhören. Dass sie sich anstellen würden. Und das Krämpfe von unsäglichen Magen-Darm Beschwerden begleitet werden, von denen man den halben Tag im Bad verbringt, sind natürlich auch normal und halten einen auch gar nicht vom Arbeiten oder ähnlichem ab. Ach ja und die Rückenschmerzen sind auch ganz typisch. Wenn man dann nicht mehr sitzen, dann soll man sich halt bisschen bewegen. Oder sich ein Wärmepflaster draufklatschen.

Manchmal finde ich es erstaunlich, wie körperliche Krankheiten genauso ignoriert werden wie psychische, nur weil man es den Menschen nicht ansehen kann. Was man eigentlich könnte, wenn man mal in die erschöpfen Gesichter der Erkrankten während ihrer Regelblutung schaut.

Und ich verlange keine Hellseher Fähigkeiten. Aber doch bitte ein wenig Verständnis von den Mitmenschen und ein wenig mehr Bereitschaft, sich Wissen anzueignen, sowie Empathie für Patienten von den Fachkräften.

Bei mir hat es zwei Jahre gedauert, bis die Untersuchung der letzte Weg war, es waren nur zwei für viele andere Betroffene aber für mich zwei Jahre voller erfolgloser Arztbesuche, Physiotherapien, starken psychischen Belastungen, anstrengenden Ernährungunstellungen, wachsendem Hass auf meinen Körper, vor allem auf meinen Bauch und einem immer weiter sinkendem Selbstwertgefühl, weil ich mich nicht mehr getraut habe, auf mein Bauch und Körpergefühl zu hören.

Ich bin wütend und frustriert, weil es so viele gibt, die ewig warten müssen, um endlich Hilfe zu bekommen. Ich fühle mich hilflos, weil meine Psychopharmaka durch das neue Medikament aufgehoben werden. Ahnungslosigkeit rechtfertigt nicht, dass Frauen nicht ernst genommen werden und ständig darauf hingewiesen werden, dass das schon normal sei. Mittlerweile würde ich jedem sagen, der fragt, dass ich Feministin bin. Nicht weil es gerade in ist, sondern weil es einfach nötig ist. Weil Frauen nicht ernst genommen werden. Weil ich mir manchmal von meinem eigenen Mann anhören muss, dass Frauen sich niemals emanzipieren können, weil sie emotional so abhängig von Männern wären. Weil man drüber lachen könnte, wenn es nicht so dramatisch wäre. Weil Frauen nicht gleichberechtigt sind, wenn man immer noch Jahre braucht, um einer leidenenden Frau endlich eine Diagnose zu geben, damit sie hilfreiche Therapien in Anspruch nehmen kann.

Ahnungslosigkeit ist das Schlimmste und ich habe satt, ständig den Leuten erklären zu müssen, was Depressionen mit einem machen, eine psychische Störung, tausende Arztbesuche, eine Endometriose. Ich habe keine Lust einem Arzt erklären zu müssen, dass die Wahrscheinlichkeit an Endometriose zu erkranken, sieben Mal höher ist, wenn die Schwester oder die Mutter es haben. Ich habe keine Lust meinem Umfeld erklären zu müssen, dass Frauen immer noch nicht gleichberechtigt sind, und es fast jede Frau Erfahrung mit sexueller Belästigung hat und das schon in jungen Jahren. Ich habe es satt, mir anzuhören, dass wir übertreiben und die Menschen nur zum schweigen bekomme, wenn ich sage, dass mein Sportlehrer mir an den Hintern gegrabscht hat, als ich 11 Jahre war und ich mich bis heute dafür schäme.

Ich bin nicht ahnungslos und das macht mich so traurig und wütend.

4 Kommentare zu „Ahnungslos

  1. Guten Morgen und einen schönen Sonntag! Genau so ist es! Also: alles, was du in diesem Blogeintrag sagst! Applaus und ein bestärkendes Solidaritätsfeuerwerk von mir! Für die Worte und deinen Kämpfergeist! 🙂

    VVN

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  2. Du hast gerade meinen Tag so viel besser gemacht!! Ich danke für vom Herzen, dass du das auch so unterstützt und nach außen trägst. ❤️

    Gefällt 1 Person

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