Irgendwie ist das so ein abgedroschener Satz, der mittlerweile ganz häufig auf Dekoartikeln, Fußmatten und was weiß ich zu lesen ist. Und trotzdem möchte ich ihn heute als Überschrift nutzen. Nicht, weil ich das Gefühl habe, an irgendwelchen besonderen Orte, irgendwo auf der Welt, zu Hause zu sein. Oder da zu Hause zu sein, wo die Liebsten wohnen. Nein, ich nutze diesen Satz heute mal ganz so, wie er da steht.

Zuhause ist dort, wo das Herz ist.

Und mein Herz schlägt in meinem Körper.

Was habe ich lange nach an einem Ort gesucht, an dem ich mich wohl fühle. An dem ich endlich fühle, dass ich angekommen bin. Einen Ort, an dem ich gesund werde und gesund bleibe. Und letztendlich habe ich ihn nicht gefunden. Und das werde ich auch nicht. Es gibt keinen geographischen Ort, keine deratige Beziehung, die einem ein zu Hause geben. Es ist der eigene Körper, das Selbst, der Geist und alles zusammen. Wir sind es selbst, die sich ein schönes Zuhause bieten können. Damit meine ich nicht „schön“ im Sinne eines perfekt aussehenden Körpers, sondern einen gesunden. In uns selbst können wir ankommen, zur Ruhe kommen und Geborgenheit finden. Wir sind es selbst, die verstehen, was wir brauchen, welche Wünsche wir habe, was für Träume. Das kann kein Ort der Welt bieten. Wir sind es selbst, die die Wände einreißen und ihnen einen neuen Anstrich verpassen, wenn es nötig ist.

Manchmal in unserem Leben geschieht eine Katastrophe. Ein Sturm, ein Brand oder eine Überflutung, die alles kaputt machen. Vielleicht hatte man auch nie die Möglichkeit, überhaupt ein wohliges Zuhause aufzubauen, weil niemand einem das Werkzeig dazu an die Hand gegeben hat. Und dann sieht es so aus, als wäre das Aufbauen oder Reparieren unmöglich. Und etwas Kaputtes ständig anzusehen, ist auch nicht schön. So geht es mir immer wieder. Vor ein paar Jahren stand ich vor einemm brennenden Haus. Ich bin in Panik geraten und habe ihm den Rücken gekehrt. Hoffnunglos, das noch zu retten. Ich bin auf die wahnsinnige Suche nach Menschen und Orten gegangen, die vielleicht ein neues Zuhause sein könnte. Aber diebrennende Teile in mir sind immer da gewesen. Wie ein Alptraum, den man immer wieder träumt. Und ich habe das brennede Haus in mir angefangen zu hassen. Es war wertlos, schlecht, eh nie gut genug und hässlich sowieso. Ich muss beinahe weinen, wenn ich das schreibe. Wir tun uns selbst so viel Unrecht, wenn wir unseren eigenen Körper und unseren eigenen Geist so verachten. Denn da gibt es so viel Potenzial und so viel Liebe, so viel Zuhause, wie wir es woanders wahrscheinlich nie finden könnten. Im letzten Jahr hat man mir einen Feuerlöscher gegeben und Werkzeug. Mir wurde beigebracht, Wände zu ziehen, ein Dach zu bauen, zu streichen und Fenster zu verbauen, die eine Menge an Licht rein lassen. Ich wurde gezwungen mir das vermeintlich Hässliche und Kaputte anzusehen. Und es ist nicht hässlich, es ist nicht kaputt. Es ist nur noch nicht fertig, nur nicht genug beachtet. Hinter dem Feuer war etwas ganz Großes, etwas Liebenswertes.

Ich habe noch Löcher im Dach, ein wenig Wasser im Keller, Bilder gerade aufhängen ist auch noch nicht ganz mein Ding und ich hab noch nicht genug Werkzeug. Man sieht auch, dass es mal gebrannt hat. Drinnen ist es aber sehr gemütlich und ein wenig schrill, vielleicht etwas ducheinander. Gemütliche Sessel, eine Menge Bücher. Überall Bilder von meinen Freunden, meiner Familie und meinem Partner. Ein kleiner Oskar lebt auch dort. Und es gibt sogar einen Raum in mir, der aussieht wie ein Strand an der Ostsee. In dem Raum steht ein Strandkorb und an Tagen, an denen draußen ein Sturm tobt, schließe ich mich gelegentlich mit Oskar, einer Tasse Tee und einem Buch ein. Zusammen warten wir in meinem Strandkorb, bis der Sturm vorbei ist.

Denn dort schlägt mein Herz ganz ruhig. In mir ganz allein.

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