Anfang der zweiten Klasse habe ich meinen ersten Roman gelesen. Um das Schreiben zu üben, sollte ich Tagebuch schreiben. Das waren meine ersten Schritte auf dem Weg zu einer Buchliebhaberin und Schreibbegeisterten. Ich habe einen Haufen Tagebücher seitdem angefangen und voll geschrieben und leider auch vor Scham entsorgt 😀 Wichtiger sind aber die minimum sieben Romane, die ich in den Sommerferien geliehen und verschlungen habe. Wichtig sind die Geschichten, die mich bis zwei Uhr nachts während der Schulzeit wachgehalten haben. Und nicht zu vergessen – die Kurzgeschichten, die ich für Freunde oder einfach nur für mich geschrieben habe. Bücher und Geschichten waren meine Zuflucht, mein sicherer Ort. Ich konnte emotional sein, durfte wütend sein, wenn die Charaktere zu früh starben oder doch nicht den Weg einschlugen, den ich mir vorgestellt hatte. Ich weinte mit ihnen, ich freute mich mit ihnen. Vor allem die fantastischen Geschichten hatten es mir angetan. So waren sie doch so weit entfernt von meiner Realität. Als ich älter wurde habe ich mich mehr für komplizierte Bücher oder auch Liebesromane entschieden. Bis heute kann ich mich jedoch nicht ganz so in die Geschichten reinfühlen und bin wieder zum Fantasy Genre zurückgekehrt. Vor allem auch Jugendbücher. Sie sind so einfach, so fantasievoll und mitreißend.

Leider schaffe ich es mittlerweile nicht mehr so viel zu lesen, weil ich mich nicht so lange konzentrieren kann und Angst habe, damit Zeit zu verschwenden. Doch zum Einschlafen höre ich mir die Hörbücher an. Manchmal auch mitten am Tag. So wie heute. Denn Fernsehen und Serien ersetzen mir nicht meine Bücher. Aber die Hörbücher kommen ziemlich gut ran. Und so kann ich vor dem Einschlafen und heute einfach für ein paar Stunden meinem eigenen Kopf entfliehen. Mir mit den Charakteren meines Hörbuchs Sorgen machen und mit ihnen mitfiebern. Ich hege die gleichen Hoffnungen und stelle mir vor, wie es für sie weitergeht. In meiner Familie wurde ich als emotional verkrüppelt bezeichnet. Mir wurde jede soziale Fähigkeit und Selbstlosigkeit abgesprochen. Ich hatte die Rolle des Egoisten, auf sich bezogenene und unsensible Schwester und Tochter. Die Geschichten gaben und geben mir immer noch die Möglichkeit so emotional zu sein, wie ich möchte. Dort darf ich sensibel sein oder auch nicht. Keiner kann dies verurteilen und es ist immer angemessen. Ich kann nichts falsch machen.

Vielleicht ist das nicht die Art Entspannung, die man sich im Allgemeinen vorstellt, denn ich bin auch mal aufgeregt, wenn die Geschichten spannend werden. Aber sich in einer anderen Welt zu bewegen, entspannt mich. Alle Gefühle empfinden zu können, ist für mich ein Privileg. Ich unterdrücke viel, vor allem meine Träumereien und mein übermäßiges Mitgefühl.

Wenn ich dann in meinen Alltag zurückkehren muss, bin ich meist niedergeschlagen. Doch ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sehr ich dem Zubettgehen entgegenfiebere.

Statt mich zu verstecken, kann ich alles fühlen, was ich will. Fantasie schiebt die Leere beiseite. Statt Sorgen habe ich Träume

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