Ich setze einen Fuß vor den anderen und frage mich, wie ich es wieder hier vom Berg schaffen soll. Seit 10 Stunden unterwegs und das Ende scheint nicht greifbar. Aufgrund eines Planungsfehlers zu wenig Wasser dabei und dehydriert. Wieso habe ich gedacht, dass die Tour meinen Niveau entsprechen würde.

5 Stunden später sitze ich am Parkplatz der Bergbahn und bin unglaublich froh, nicht mehr gehen zu müssen. Froh, es geschafft zu haben. Glücklich, dass mir und meiner Freundin nichts passiert ist und wir unbeschadet nach Hause fahren können.

Der Jubiläumsgrat war für mich ein kritisches Thema. Ich habe mir in letzter Zeit nicht viel zugetraut, habe mich zurückgezogen, war eher passiv als aktiv. Und dann hatte ich doch beschlossen, ihn zu begehen. Am Anfang und an technisch schwierigen Stellen war alles in Ordnung und ich fühlte mich zunehmend sicherer. Und dann war es doch zu viel für mich. Im leichten Teil des Grates dann zu langwierig, zu wenig Wasser, zu starke Bauchkrämpfe. Es kamen die Gedanken, die mir sagten ich schaffe es nicht, ich bin auch zu blöd, dass ich nicht mehr Wasser eingepackt habe, dass ich doch eh nicht wollte, dass ich zu unfähig bin und doch mal gefälligst meine Grenzen besser kennen sollte. Es kam der Selbsthass und die Selbstzweifel.

Aber ich habe es dem Hass, dem Zweifel und den Gedanken gezeigt. Ich habe mich auf Zielgeraden nochmal zusammengerissen und meine Freundin, die mich bis dahin gepusht und unterstützt hatte, mit Ansporn und Optimismus die letzten Höhenmeter hinunter gebracht. Ich bin nochmal ein Stück über meine Grenze hinaus, für mich und für sie, die solange durchgehalten und mir geholfen hatte, bis sie auch nicht mehr konnte.

Diese ganze Tour war geprägt von Vertrauen in diese Freundschaft, in mich und in meine Fähigkeiten. Nicht unbedingt in jedem Moment, aber danach und gerade als es besonders schwierig und anstrengend wurde, haben mein Kopf und mein Körper mir alles gegeben was ich brauchte.

Ganz euphorisch nehme ich dieses Gefühl des Vertrauens mit. Auch wenn es letzte Woche war, zehre ich heute davon, weil ich es brauche und werde mir dieses Gefühl auch in Zukunft zurückholen. Gerade dann wenn eine Situation dann doch an anderen Grenzen scheitert. Dann muss ich mich daran erinnern, dass ich in anderen Bereichen über mich hinauswachse, dass ich dort Stärke und Kraft beweisen kann, obwohl sie längst verloren scheint, dass ich mich auf mich verlassen kann und Beziehungen zu ganz besonderen Menschen habe, die ebenfalls von diesen Gefühlen leben.

Denn einige Grenze werde ich nie überwinden können und sollte es vielleicht auch nicht, doch vor einigen schmerzliche Grenzen, die ich mir auch selbst erschaffen haben, muss ich und will ich nicht anhalten und verharren.

Denn wie Tim Bendzko es so schön singt: „Manchmal löst ein Abgrund in mir Angst aus, doch ich geh nicht zurück, ich nehm nur Anlauf.“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s