Packesel

Wisst ihr was ein wirklich leidiges Thema ist? Geld. Und wisst ihr in welchem Zusammenhang es noch schlimmer ist? Familie. Auch mit der Besorgnis, dass dieser Beitrag nicht bei allen gut ankommt, werde ich darüber schreiben.

Aber langsam habe ich die Schnauze voll und muss mir das mal von der Seele reden. Gerade in meiner jetzigen Situation geht es mir finanziell gut, wenn nicht sogar sehr gut. Ich kann mir vielleicht keine Eigenheim oder ein nigelnagelneues Auto leisten, aber ich muss auf nichts verzichten. Und das ist ganz allein mein Verdienst, denn in meiner Familie gibt es kein Geld oder Besitz und das über Familiengrade hinweg.

Für meine finanzielle Unabhängigkeit musste ich aber einen Berufsweg einschlagen, der weder zu mir passt und den ich nicht wollte. Ich habe dafür meine psychische Gesundheit aufgegeben und meine Heimat im Norden Deutschlands. Damit habe ich bis heute zu kämpfen. Versteht mich nicht falsch, ich habe so auch eine Menge tolle Leute kennengelernt, aber es gibt immer zwei Seiten.

Als ich das Haus meiner Familie verlassen habe, ging es dort auf einmal bergauf. Mein Vater bekam auch einen besseren Job, aber vor allem musste sich nicht mehr gekümmert werden. Und sie müssen es immer noch nicht. Das Mädchen, das macht das schon in Bayern, die kommt klar. Dabei muss ich mit ansehen, wie meine Geschwister Wege einschlagen können, die sie sich selbstbestimmt ausgesucht haben. Sie bekommen ziemlich viel bezahlt. Zuschüsse zu beispeilsweise Freizeitaktivitäten und Kleidung, weil es auf einmal finanziell möglich war und ist.

Und ja sie haben noch keinen Vollzeitjob und ich gönne es ihnen voll und ganz. Aber dass das zum Teil auch nur möglich ist, weil dort im Norden eine Sorge weniger herrscht, dafür bedankt sich keiner von ihnen. Dass ich Geld leihe und auch für meine Dinge bezahle, wenn ich dort bin, wird nicht gewertschätzt.

Ich bin der Packesel, mit dem sie es leichter haben. Und nochmal mir geht es gut, aber manchmal fällt es mir schwer das mit anzusehen und zu wissen, dass ich einiges loslassen musste.

Zuguter letzt bekomme ich jetzt auch noch ein Halbgeschwisterchen. Auch hier möchte ich meine Freude dafür betonen. Und doch weiß ich, dass dieses Kind es am allerbesten haben wird. Psychisch, physisch und finanziell. Ach und ich wurde dann noch gebeten, auf meine Erbe etwas länger zu warten, damit der neue Teil meiner Familie nicht zu sehr belastet wird. Letzteres und die Nachricht, dass es ein neues Familienmitglied geben wird, habe ich so nebenbei bei einem kurzen Zusammentreffen erfahren, mir blieben weniger als 10 Minuten, um da irgendwie drauf zu reagieren. Vielen Dank.

An einigen Tagen belastet mich das Ganze so sehr, dass ich weinen muss. Nicht weil ich anderen nicht ein einfacheres Leben gönne als mir, sondern weil ich so Probleme habe mit meinen und mir die Welt manchmal einfach furchtbar ungerecht vorkommt.

Ich liebe meine Familie und freue mich über jedes Glück, das sie haben. Über ein „Danke, dass du damals so viel auf dich genommen hast und es auch heute noch tust.“ würde ich wahrscheinlich trotzdem in Tränen ausbrechen.

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