Graudenken

Einer von den Gründen, warum ich oft Dinge oder Situationen nicht genießen kann, ist das vielen bekannte Schwarz-Weiß-Denken. Bei mir gehören da aber auch die 0 oder 100 Prozent Strategie, das ganz oder gar nicht Prinzip oder nur extrem positive oder extrem negative Sichtweisen dazu.

In einem Streit kann ich mein Gegenüber oft nur als extrem negativ einschätzen, er will mir nur Böses, er ist nur egoistisch und sowieso hat er oder sie eine völlig andere (und verkehrte) Meinung.

Wenn ich eine Städtereise mache, dann war sie nur gut, wenn ich ALLES von meiner Liste streichen konnte.

Wenn ich nicht nach Schweden ziehen kann, dann will ich halt gar nicht mehr hin.

Und wenn ich Sport mache, dann muss ich immer alles geben.

Wenn ich gute Laune habe, dann extrem und wenn ich schlechte Laune habe, dann auch.

Wenn ich schon bis 12 Uhr im Bett gelegen bin, dann brauche ich gar nicht mehr aufstehen.

Ich könnte noch hunderte solche Situationen aufzählen. Und wenn ich mir das so anschaue, dann bin ich ziemlich deprimiert. Viele Lösungen und Genuss, neue Erfahrungen bleiben einem so oft verwehrt. Andererseits kann ich mich in den oben genannten Fällen nur durch solche Strategien schützen oder mir besser helfen kurzfristig Konflikte zu lösen. Bequem und schnell. Wenn ich davon ausgehe, dass mein Gegenüber mir eh nur Böses will, dann muss ich mir gar nicht mehr viel mit dem Konflikt, meiner und der anderen Sichtweise auseinandersetzen. Das würde ja unglaublich kompliziert werden und das ganze vermutlich ausarten lassen. Wenn ich 100 Prozent beim Sport gebe, bleiben kurzfristig die abwertenden Gedanken aus, ich fühle mich gut, weil ich meinen Perfektionserwartungen entspreche. Wenn ich gar nicht mehr nach Schweden reise, werde ich nicht mehr mit eine geplatzten Traum konfrontiert.

Ja, leider wende ich solche Muster immer wieder an, um mich kurzfristig zu entlasten. Langfristig schwanke ich aber leider unter extremen Stimmungsschwankungen, depressiver Verstimmung, wende immer die gleichen schlechten Konfliktstrategien an und verwehre mir viele kleine wichtige Genussmomente. Letztere möchte ich gerne mehr zu schätzen wissen und übe auch daran. Für die anderen Bereiche habe ich leider noch keine gute Lösung gefunden. Meine Stimmungsschwankungen könnte ich zwar einigermaßen gut mit den Medikament eindämmen, aber damit ist dem Problem ja nicht der Zahn gezogen, leider.

Aber um dem Beitrag vorbildlich mit einem Graugedanken, den ich neben all dem Schwarz-Weiß schon mein ganzes Leben hatte, abzuschließen:

In jedem Menschen steckt Gutes und Potenzial, egal wie er gerade auch erscheinen. Auch in mir. In mir steckt das Potenzial, meine Gedanken zu ändern, mich besser zu verstehen und gesünder zu werden, auch wenn ich Tabletten nehme, in der Therapie bin und immer wieder depressive Rückfalle habe.

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