Abgehoben

Lange Zeit habe ich keinen Eintrag mehr geschrieben. Warum? Ganz einfach, weil ich nichts zu schreiben hatte. Auch heute fühle ich mich noch nicht wirklich danach, der Welt etwas mitzuteilen.

Ich war lange krank, hatte viel mit Sorgen bezüglich meiner Fitness und meines Gewichts zu kämpfen. Sorgen um meine Freunde und meine Familie. Ich habe nichts von dem geschafft, was ich mir vorgenommen hatte. Startete in einen Urlaub mit dem ungutem Gefühl, danach noch mehr stemmen zu müssen und mit der leise Stimme im Kopf, die mir sagt, dass ich mir diesen Urlaub eh nicht verdient hätte.

Zusammengefasst könnte ich sagen, dass ich nichts weiter getan habe, als zu atmen. Ich wünschte, das wäre okay für mich. Ist es aber nicht. Und so verloren, wie ich mich die letzten Wochen gefühlt habe so verloren fühle ich mich auch heute. Ich fühle mich wie ein Feder, die vom Wind hin und her geweht wird. Nur irgenwie komme ich nicht auf den Boden zurück. Ich habe die Bodenfühlung völlig verloren. Mein neues mühselig errichtetes Fundament scheint zerrüttet.

Ich fühle mich unsicher.

Mit Unsicherheit habe ich täglich zu kämpfen. Unsicher, welchen Weg ich wählen, ob ich was Süßes essen, eine Sporteinheit machen, diesen Satz zu meiner Freundin sagen, die Aktivität streichen, ob ich meiner Therapeutin von neuen Suizidgedanken oder meinen Gefühlen freien Lauf lassen soll.

Aber nun fühle ich mich gänzlich losgelöst. Unsicher mit jeder Entscheidung, die ich getroffen habe in den letzten Wochen. Obwohl ich sie eindeutig für gut gefunden hatte. Ich kann mich nicht mehr auf mich verlassen. Nicht auf meine Entscheidungen, nicht auf meine Gefühle, auf meine Gedanken eh nie. Rückversicherung durch nahestehende Menschen helfen nicht mal kurzfristig. Ich habe keine Hoffnung, wieder auf den Boden zu gelangen. Und weil das alles so furchtbar schrecklich pessimistisch klingt, mochte ich nichts schreiben.

Denn auch der Blog kam mir von einem auf den anderen Tag so sinnlos vor. Ich brach nach ein paar Sätzen schreiben ab oder mir viel erst gar nichts ein. Was hätte ich mit meinen Worten schon zu bieten? Hilft mir das überhaupt? Kann man meine Sichtweise überhaupt verstehen?

Ich schreibe heute in der Hoffnung, dass dies jemand liest und es versteht, dass es noch jemanden gibt, der sich wie die Feder fühlt, von Winden gepackt und vom Boden abgehoben.

3 Kommentare zu „Abgehoben

  1. Eine Weile verbracht im Fluge, der Realität entwichen und in eigenen Dimensionen unterwegs. Sehr gesund für einige Momente bis es wieder Zeit wird für mehr Boden unter den Füßen 🙂

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