Mehr als die Summe meiner Teile

Manchmal möchte ich mich gerne von meinem Körper abgrenzen. Manchmal ist es mein Körper, der Dinge tut, mich bestraft, mir hilft oder einfach der ungeliebte Teil ist. Heute möchte ich nicht, dass er zu mir gehört. Denn er ist krank geworden. Hat es gewagt, schlapp zu machen. Das Bild was ich von ihm heute habe ist nicht besonders gut.

Grundsätzlich teile ich mich gerne ein. In ein gesundes und krankes Ich, die rationalen und emotionalen Teile, das optimistische Ich, das Sorgenvolle und so weiter. Oft ist nur ein Teil aktiv, hat das Sagen, behält die Führung. Die anderen sollten still sein oder sich im Hintergrund aufhalten. Traut sich dennoch eins hervor, wird es meistens direkt unterdrückt und wieder auf seinen Platz verwiesen. Für konstruktiven Rat, ist die vorherrschende Führung nicht offen. Leider sind alle meine Anteile ein wenig frustriert, ja gar wütend und sie ringen alle um die Führung. Das löst eine Menge innere Konflikte aus.

Die Folge: Ich bin furchtbar launisch, gereizt oder unterdrücke einfach alles in einem schwarzen Loch. Ich habe leider auch oft das Gefühl, dass sich alles in mir furchtbar widerspricht, dass ich keine klare Linie finde. Ich möchte doch nur mal anfangen, mich zusammenzusetzen. Im Moment bin ich offen gelegt auseinander genommen. Ich habe mein altes hässliches Bild zerschnitten und nun liegen da alle Teile. Und ich bekomme sie nicht zusammen. Ich weiß nicht, wie ich daraus was schönes machen kann. Früher habe ich mich geschützt, mich zusammengehalten, so gut es halt geht. An der einen oder anderen Stelle geflickt, aber das Bild hat gehalten, ich hab es durchgekommen. Und nun liegen da so viele Teile vor mir, teilweise unberührt, ja schon fast fremd und es scheint keinen Anfang und kein Ende zu geben. Eins nach dem anderen wird wiederum auseinander genommen und neu ausgerichtet. Eine Art Anpassung jedes Teils an eine gesunde Gesamtheit. Auch wenn ich noch gar nicht weiß, wie das aussehen soll. Ich bin nicht hoffnungslos, sicherlich nicht. Oft verzweifele ich aber heutzutage an einzelnen Teilen oder daran, zwei zusammenzufügen.

Ganz selten fügen sie sich sogar ganz von allein zusammen, in einigen Fällen sogar zwei Teile, von denen ich nie gerechnet habe, dass sie zusammen passen. Zum Beispiel meine Angst und meine Sorgen mit dem Teil, der mir oft die Haut zerkratzt. Meine Unlust zu Essen mit meiner Unlust überhaupt etwas zu tun oder zu leben. Langsam und noch undefiniert passiert etwas, ich schaue gespannt und teilweise ängstlich zu.

Ich träume davon, einfach nur die Summe meiner Teile zu sein. Ein vollständiges Puzzle und ein Haufen undefinierbarer nicht zusammenpassender Teile. Ich brauche nicht ein „mehr als das“ zu sein.

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