Worst Case Szenario

In meinem Leben scheine ich immer nur vom Schlechtesten auszugehen. Woran das liegt, weiß ich nicht so genau. Was ich jedoch weiß, ist dass sie die meiste Zeit meinen Alltag beherrschen.

Ich gehe mit dem Hund zum Tierarzt und male mir alles aus, was möglich wäre. Es könnte sein, dass die Ärztin mir kein Gesundheitszeugnis ausstellen kann, aufgrund von bestimmten Erkrankungen. Oder dass er tatsächlich eine so schlimme Krankheit hat, dass er nicht mehr lange leben wird. Vielleicht dauert es heute so lange beim Tierarzt, dass ich es nicht schaffe, das Paket für meine Schwester und den Brief für meine Freundin einzuwerfen. Vielleicht treffe ich bei Tierarzt auf Hunde, die Probleme bereiten werden. Vielleicht ist der Tierarzt, aber auch umgezogen und wenn ich mich jetzt zu Fuß dorthin begebe, dann habe ich vielleicht nicht genug Zeit um mich neu zu orientieren. Vielleicht geht es Oskar nach der Impfung so schlecht, dass ich ihn nicht nochmal impfen lassen kann. Vielleicht reicht das Gesundheitszeugnis gar nicht aus, damit der Antrag genehmigt wird. Und vielleicht ist es ein Problem, dass auf der Haftpflichtversicherung der Name von der Mutter meines Mannes steht und nicht meiner.

Letztendlich gehe ich einfach mal von allen Dingen aus, die schief gehen könnten. Und das hier in diesem Post ist nur ein Auszug meines 20-minütigen Weges. Dazu kommt, dass diese Gedanken nur auf Thema Hund und Beantragung vom Hund bezogen sind.
Jeden Tag kommen neue Worst Case Szenarien hinzu. Sobald ein neuer Lebensabschnitt beschritten wird, neue Menschen kennengelernt werden oder ich einfach nur ein neues Produkt kaufen (oder überhaupt, wenn ich einkaufen gehe). Natürlich kann ich bei so vielen Sorgen nicht wirklich viel schaffen. Oskar hilft mir viel, diese WCS zu vergessen. Oft nur, wenn ich mich sehr auf ihn konzentrieren muss, weil er wieder gar nicht hört, aber manchmal auch, wenn ich mit ihm spazieren gehe, ihn und alles um ihn herum aufmerksam wahrnehme und genieße. Ich versuche diese kleinen Erfolge anzunehmen ohne direkt den nächsten schlimmsten Fall, der eintreten könnte, aufzumachen.

Viele sagen mir oft, dass ich ja gar nicht vom Schlimmsten ausgehen muss. Wann wäre denn überhaupt schon mal das Schlimmste eingetreten? Ich solle mir doch nicht so viele Gedanken machen.
Aber was die anderen nicht wissen: Es hilft. Nicht das Gedankenmachen an sich. Sondern der Schutz den ich mir damit aufbaue. Wenn ich vorher alles durchgespielt habe, jedes WCS dann bin ich auch auf alles vorbereitet. Ich kann nicht enttäuscht werden und ich kann nicht überfordert sein. So habe ich es dann ja schon vorher gewusst. Treten die Situationen dann nicht ein (so wie es meistens ja ist) bin ich unglaublich erleichtert, ja fast schon überglücklich. Dass es das nicht wert ist, habe ich irgendwie schon wahrgenommen, aber kann es nicht umsetzen.

Und naja wenn wir schon bei dem Schlimmsten sind: Vielleicht werde ich es nie damit aufhören können. Aber immerhin bin ich auch darauf vorbereitet.

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