Problemsteine

Psychische Krankheiten machen etwas mit einem. Sie flüstern dir schlechte Dinge zu oder schreien so laut in deinem Kopf, dass du nichts mehr hören kannst. Sie machen deinen Körper schwer und zwingen dich liegen zu bleiben und einige genau das Gegenteil. Sie reden dir Ängste und Sorgen ein, die du nie hattest und andere niemals haben würden. Sie isolieren dich von dir selbst und deinem Umfeld.

Das alles am liebsten auf ein Mal. Und dann steht man da, wie gelähmt, weil man sich nicht bewegen kann, nichts hören kann, und nicht sprechen kann. Man kann nicht um Hilfe bitten, ja eigentlich bekommt man eh gar nichts mehr richtig mit. Weder das, was in einem selbst vorgeht, noch das was im eigenen realen Leben passiert. Manchmal werden sie lebensgefährlich, machen Pläne, gefährliche Dinge oder verhindern, dass man essen kann. Sie veranstalten ein riesiges großes Chaos und man selbst steht völlig verloren mittendrin.

Meine Therapie hat mir bereits gezeigt, dass ich mir helfen kann, dass ich einen Ausweg finden kann. Dass ich aufräumen kann. Ich kann die Steine nehmen und aus dem Weg räumen, wenn ich stark genug bin, ich kann sie ordnen und mir ein Gauß bauen damit, einen Weg oder eine Brücke, ich kann mir anderen Menschen dazu holen, die mir dabei helfen. Ich darf ein paar Schritte zurückgehen oder drüber springen.

Nur zwischen den Steinen sitzen zu bleiben und sie anzustarren, ist auf lange Zeit schlecht. Am Anfang ist man vielleicht auch zu schwach dazu, den ersten zu heben. Das ist eigentlich fast immer so. Aber wenn man die Menschen, die sich neben einen setzen, nicht ausblendet oder Möglichkeiten ergreift, die einem die Hand von einem Stein runter strecken. Kann man einen nach dem anderen bewältigen.

Für meinen Alltagsstein habe ich eine Möglichkeit bekommen. Ich werde einen Hund haben, der ihn mit mir stemmt. Und der Hindernisstein davor wurde von mir und meiner Fachärztin wegtransportiert. Die Steine sind nicht leicht und manchmal braucht man lange, um sie zu heben, zu schieben oder wegzuziehen.

Und für den Hund habe ich Ordnung geschaffen in meiner Stube an der Universität. Drei Tage habe ich dafür gebraucht. Besser gesagt, drei Jahre und drei Tage. Denn bis zum Dienstag letzter Woche war ich nie stabil, gesund, motiviert oder stark genug. Mein Zimmer aufzuräumen, zu organisieren und neu zu strukturieren. Seit drei Jahren war ich umgeben von einem Depri Chaos, das bei meiner ersten Depression entstanden ist und bis jetzt nicht in Ordnung gebracht werden konnte. Und versteht mich nicht falsch, ich bin eine Chaotin. Aber ich war ein wenig vollgemüllt. An einige Dinge habe ich monatelang schon nicht mehr gedacht, geschweige denn sie gebraucht. So viele Dinge, die einfach nur traurig in den Regalen eingestaubt sind. Es war Zeit sie und mich abzustauben, ihnen einen neuen Zweck zu geben oder zum Leuchten zu bringen. Ein kleiner Neuanfang für mich und für den Oskar. Noch macht mir diese neue Ordnung Angst. Sie ist ungewohnt fremd. Vielleicht habe ich auch ein wenig Angst vor einem neuen Ich. Einem stärkeren Ich. Doch ich lasse es auf mich zu kommen und schaue mal was passiert. Ich bin so stolz auf mich, dass ich endlich aufgeräumt und entrümpelt habe und das heute Oskar bei mir ist, vorerst für immer 🙂

Es sind noch viele Steine zu stemmen, und es werden auch noch ganze Haufen auf mich warten. Aber langsam finde ich Wege, um etwas Schönes, etwas Positives, oder sogar etwas kleines aus einem großen Stein zu machen. Und habe ich alle meine Krankheitssteine bearbeitet habe, werden neue kommen, die die auf jeden in seinem Leben mal auftauchen.

Aber auch die werde ich schaffen, mit meiner Familie, meinen Freunden, meinem Mann und Oskar. Denn einige Steine sind zu groß für einen allein und anderen sind nur so groß, wie wir sie machen.

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