Maschinenleben

Man könnte meinen, dass ich durch meine Uni Pause, nicht viel zu tun habe, aber manchmal frage ich mich wie ich das nebenbei überhaupt schaffen sollte, selbst wenn ich wieder schreiben könnte.

Oft stopfe ich meine Tage so voll, dass ich aufstehen muss und versuche, den dysfunktionalen Gedanken keine Chance zu geben. Morgens Spinning, danach zum Vorgesetzten, danach einen Antrag schreiben, einen Hund auf dem Uni Gelände halten zu dürfen, danach Freunde treffen, kochen, zweites Mal Sport, Film gucken mit meinem Mann. Manchmal andere Reihenfolge, mal den einen oder anderen Arzttermin oder Verwaltungstermin mehr oder weniger. Zwischendurch versuche ich mir Gedanken über meinen nächsten Einkauf zu machen oder einen Urlaub zu planen. Trotz Depressionen und Angststörung ist ganz schön was los bei mir.

Und neben all den Dingen, die ich so plane und mache, habe ich das Gefühl immer noch ausgeschlossen zu werden. Ich werde nicht gefragt, ob ich mit ausgehen will. Oder ob wir mal wieder frühstücken. Klar wird mir mal angeboten vorbeizukommen, aber ich glaube oft, dass das nur geschieht, weil es mir schlecht geht und es meinen Freunden leid tut. Und deswegen versuche ich ganz viele von ihnen zu sehen und Dinge mit ihnen zu unternehmen, dabei dürfen Sport und Mann, aber auch nicht zu kurz kommen. Was bleibt also oft liegen? Org und Haushaltsaufgaben. Wenn ich die auch noch mache, liege ich abends erst um 11 Uhr im Bett, weil der Abwasch bis dahin warten musste. Ich bin dann todmüde. Ihr könnt auch gar nicht vorstellen, was für eine Erleichterung es für mich ist, wenn mein Mann, mir den Abwasch abnimmt.

Eigentlich soll ich das nicht tun. Gerade jetzt wäre es wichtig, mal durchzuatmen. Dinge tun, aber in Maßen, Spaß haben, aber nicht stressen.

Aber was mache ich gerade? Sitze in einem Flieger, um einen Haufen Menschen zu besuchen, bei denen ich glaube, dass sie wirklich zu kurz kommen, weil ich nicht mehr in der Nähe meiner Familie wohne und der andere Teil sowieso im Ausland lebt. Mein Vater hat schon ganz viel vor und meine Schwester auch. In mir steigt bei diesen Gedanken ein wenig Panik hoch. An der Uni, kann ich auch mal absagen, mich hinlegen, eine Serie gucken (auch wenn ich das deutlich zu selten nutze). Aber jetzt warten drei Wochen eine Menge Unternehmungen auf mich und ich möchte diese auch tun. Für meine Freunde und Familie und auch für mich. Es funktioniert, ich funktioniere irgendwie. Es läuft und läuft und läuft.

Leider habe ich es nicht geschafft mich zu zügeln, und meine Reisen aufzuteilen, anstatt drei einzelne Reisen zu machen, zwischen denen ich durchatmen hätte können. Stattdessen habe ich 20 Tage am Stück Action. Davon gerade knappe drei Tage mit meinem Mann, der mir etwas Ruhe gibt.

Ich habe zu oft ein schlechtes Gewissen, wenn ich, absagen und mich zurückziehen muss. Ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich meine Familie lange nicht mehr besucht habe, oder die Familie meines Mannes. Ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich erst Verabredungen mache und dann merke, dass ich es an dem Tag doch nicht packe, nicht aufstehen konnte. Dieses schlechte Gewissen, zwingt mich zum Ausgleich, zu vollen Kalendern und viel zu langen Reisen.

Mein Psyche schreit Pause und mein schlechtes Gewissen hört es nicht.

Mein Kopf sagt, du darfst keine Pause machen, meine Liebe, wer weiß was passiert, wenn wir die Maschine abschalten?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s