Menschen, die es „besser“ wissen

Damit meine ich nicht meine Therapeutin oder Personen vom Fach. Nein, ich meine die Eltern, Partner, Freunde und Kollegen, die Verwandten, die Vorgesetzten, die Hausärzte und Menschen, die nett gemeinte Ratschläge verteilen, aber überhaupt nicht helfen. Ich rede von Menschen, die Sätze wie: „Du musst dich einfach nur mal entspannen“ oder „Mädchen, du versaust dir doch deine ganze Zukunft mit den Therapien“ sagen. Menschen, die glauben, dass Sätze wie „Scheiß einfach drauf“ oder „Steigere dich da doch nicht so rein“ helfen, wenn man eh schon mit sich zu kämpfen hat.

Danke. Danke, dafür, dass ihr helfen wollt. Aber bitte hört auch mal zu und schaut genau hin. Ich weiß, dass andere auch schlechte Tage haben und ich mich ab und zu mal entspannen sollte. Ich weiß, dass ich mich in meine mir am Herzen liegenden Themen manchmal reinsteigere, aber auch weil es meiner Meinung nach nötig ist. Wenn ich eine Entscheidung treffe, dann habe ich sie sicherlich nicht leichtfertig getroffen, das mache ich nämlich nie und es ist nicht hilfreich, dann wieder Zweifel eingesät zu bekommen. Eine Therapie zu machen, ist die beste Entscheidung die man für sich, sein Leben und seine Zukunft treffen kann. Damit versaut man sich gar nichts. Man tut etwas für sich. Und wenn ich um Rat frage, ja, dann möchte ich eine ehrliche Meinung und nehme solche Sätze in Kauf. Doch wenn ich weinend auf euch zukomme oder offensichtlich gerade Schwierigkeiten habe runter zu kommen, bitte seid einfühlsam oder teilt mir mit, dass ihr gerade nicht wisst, was ihr sagen oder tun sollt. Das geht vor allem an nahestehende Personen. Denn ich weiß auch, dass es nicht immer leicht ist, mit Personen wie mir oder Personen mit schwerwiegenden psychischen Problemen, klarzukommen. Genau deswegen fragt und ratet nicht. Ich kann oft in meinen schlechtesten Momenten nicht mehr mitteilen, was ich gerade brauche, aber deswegen sorge ich vor. Sage rechtzeitig, dass es mir heute nicht gut geht, dass ich etwas Unterstützung brauche. Also bitte hört zu.

Aktiv Zuhören ist das Beste was ihr für eine Person mit psychischen Schwierigkeiten tun könnt. Wir sind nicht halb so hilflos, wie wir erscheinen und wer wirklich helfen und unterstützen mag, muss das auch nicht allein tun. Der Heilungsprozess ist Zusammenarbeit. Oft steht dabei ein ganzes soziales System im Fokus. Ich danke wirklich allen, die bei mir dabei sind. Doch oft sieht ehrliches Mitgefühl, zumindest in meiner Vorstellung, etwas anders aus, als sich die meisten von euch vielleicht gedacht haben.

Besser Zuhören statt Besserwissen. Danke!

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