Den richtigen Weg wählen

Links, rechts oder vielleicht ein paar Schritte zurück? Am liebsten würde
ich einfach auf der Stelle stehen bleiben. Bloß nicht die falsche Richtung
einschlagen. Mich könnte alles erwarten, vielleicht noch eine Kreuzung. Und oft ist der Weg zurück versperrt. Das sind für mich persönlich die schlimmsten Momente, die Momente, in denen ich eine Entscheidung treffen muss. Ich bin nicht besonders gut im Pro und Kontra abwägen. Mir erscheint jedes Argument gleich wichtig. Links, rechts und geradeaus erscheinen alle gleichermaßen richtig und gleichzeitig alle falsch. Habe ich genug Zeit im Voraus, springe ich zwischen meinen Optionen hin und her, spiele sie tausend Mal durch. Mir wird richtig übel, wenn ich daran denke, mich in spätesten einem Jahr entscheiden muss, wie es mit mir weitergeht, welchen Weg ich denn nun gehen möchte. Gerade möchte ich hier an der Kreuzung stehen bleiben. Ich habe mich hier gut eingerichtet, fühle mich wohl. Wenn da nicht die quälenden Zukunftssorgen wären. Wenn ich nicht genau wüsste, dass die Entscheidung kommen muss. Und ist es dann vorbei mit dem Sorgen machen? Oder werde ich mir bei der nächsten großen Entscheidung wieder so schwertun? Kann ich mich vielleicht gerade nur nicht gut entscheiden, weil ich nicht gesund bin?

Ein Jahr länger an der Uni zu bleiben fühlt sich nicht wie eine sinnvolle Pause an, sondern als hätte ich mir absichtlich Zeit erkauft, um nicht weiter über den Masterabschluss hinausplanen zu müssen. Um selbst diesen soweit in die Zukunft zu rücken, dass auch dieser mir nicht offensichtlich Stress und Sorgen machen kann. Latent machen mir all diese Dinge trotzdem Angst. Wahrscheinlich ist es vor allem die Angst, zu versagen. Vielleicht schaffe ich es ja gar nicht, meinen gewählten Weg zu Ende zu gehen. Dann lieber stehen bleiben. Nichts tun. Passiv sein. Ausharren. Dabei habe ich mit meinem Jahr länger auch entschieden, erneut eine Therapie zu machen. Ich denke, dass das eine sehr gute und richtige Entscheidung war, auch wenn ich noch nicht weiß, wo genau sie mich hinführt. Selbst da kann ich nicht jeden Zweifel beseitigen…

Die großen Entscheidungen sind die eine Sache, aber selbst bei kleinen Dingen, bei Einkäufen, bei Gesprächen oder bei meiner Tagesplanung fällt es mir schwer etwas zu wählen. Ich nehme lieber das, was sich mir eh aufdrängt oder mir vor die Füße fällt. Oder folge den anderen auf ihren Weg, die werden schon wissen, wo es langgeht. Die Eltern wünschen sich dies, der Mann geht in die völlig andere Richtung und die Freunde gehen einfach weiter. Und ich kann sogar sagen, dass sie schuld sind, wenn ich falsch gelandet bin, so haben sie doch gesagt, ich soll da lang gehen, so bin ich ihnen doch gefolgt. Ich muss nicht mal Verantwortung übernehmen.

Dabei möchte ich mein Leben doch selbst bestimmen. Ich möchte mir Wege in eine Karte einzeichnen, sie zur Hälfte gehen und mich dann spontan durch den Wald schlagen, wenn die sonnige Lichtung woanders wartet. Ich möchte meine eigenen Abkürzungen finden und meine eigenen Umwege gehen. Um mich selbst kennenzulernen, um das beste Leben für mich zu leben.

Ich hoffe es kommt der Zeitpunkt, an dem mir das Stehenbleiben mehr Angst macht, als einen Weg zu wählen.

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