Regentage

Ich sitze vor meinem Laptop und sollte eigentlich abspülen, aufräumen, meine Sporttasche für morgen packen und mich einlesen für das Treffen mit einer Kommilitonin. Die Hälfte meines Einkaufs liegt noch auf dem (wenigstens) gemachten Bett. Die Klamotten liegen achtlos auf dem Boden. Das Chaos in meinem Kopf kann man dem Zimmer ansehen. Die Unruhe und die Müdigkeit. Nichts ist mir heute leichtgefallen. Weder das Einkaufen, noch die kurze Teepause mit einer Freundin. Ganz zu schweigen von der zweiten Sporteinheit oder dem Kochen am Abend. Selbst das Duschen war anstrengend. Es schnürt mir die Kehle zu, wenn ich daran denke, was mich morgen alles erwartet. Den ganzen Tag voller Termine, nicht alle aus Pflichtbewusstsein, sondern auch gewollte. Und trotzdem. Ich muss mehrmals tief ein- und ausatmen, mir ein paar Mal durchs Gesicht streichen, die Haare raufen. Damit ich wenigstens irgendwas zustande kriege. Wenigsten einen Blogeintrag möchte ich schreiben. Nachdem ich heute schon eine wichtige Karte verloren habe, erneut mit dem Verlust meines Zimmerschlüssels konfrontiert wurde und nichts gemacht habe, außer Sport, Essen und Serien schauen (und Einkaufen). Klingt vielleicht nach gar nicht so wenig, aber für mich ist das heute gar nichts, keine Leistung, keine Erfolge, keine Genussmomente. Nur miese Gedanken und Leere.

Den ganzen Tag regnet es schon. Immer wieder etwas stärker, manchmal kurze Zeitspannen gar nicht. Ich bin heute schon ein paar Mal nass geworden und auch mal trocken geblieben. Vielleicht ist der Regen schuld. Schuld an meiner Unlust und Müdigkeit. Schuld an der Kälte, die mir in den Knochen steckt. Schuld an den dunklen Wolken in meinem Kopf. Vielleicht ist er es auch nicht, sondern nur ich. Trotz knallgelben Regenmantels (den ich besonders gernhabe) kommt in mir heute kein Strahlen auf, nicht mal ein kleines bisschen. Der Regen draußen scheint mich erdrücken zu wollen. Kann all die düsteren Gedanken nicht wegspülen. Beides scheint nicht aufhören zu wollen, weder der Regen noch die Gedanken. Und ich habe versucht sie zu verdrängen, beim Sport, beim Tee, beim Schreiben, bei einem Stück Schokolade. Ich habe versucht die Wolken aus meinem Kopf zu vertreiben und doch sind es nach jeder Verschnaufpause noch mehr. Sie verdunkeln alles.

Meine Wolken wollen sich heute nicht abregnen. Machen keinen Platz für Sonnenschein. Lassen mich nicht weinen.
Wolken aus Unsicherheit, Selbsthass, Zweifel und Hoffnungslosigkeit.

„Du kommst weder mit dir noch mit deinem Leben klar.“

„Nichts hast du heute hinbekommen.“

„Du bist wertlos.“

„Du glaubst auch es reicht, wenn du heute nur Einkaufen warst.“

„Du wirst niemals gut genug sein.“

„Was kannst du schon.“

„Wie kann man nur so unglaublich nutzlos sein.“

Ich sehe nach draußen und fühle mich ein wenig getröstet, wenigstens der Himmel weint für mich.

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