Genusstiere

Was bitteschön ist ein Genusstier?? Ich studiere Psychologie und kann mich nicht daran erinnern, dass Genusstiere im Studium vorkamen. Also warte ich gespannt ein paar Minuten bis meine Therapeutin wieder im Raum erscheint. Auf den Tisch legt sie ein Haufen Playmobil Tiere. Hühner, Katzen, Ziegen… Fragend schaue ich sie an. „Suchen Sie sich doch bitte drei aus.“ Langsam komme ich mir bisschen komisch vor, aber ich habe mir vorgenommen, mich auf alles einzulassen. Ich suche mir also einen Hund, eine Katze und einen Fuchs aus, während sie mir erklärt, was genau ich damit machen soll. Ich soll mir die Dinger in eine meiner Hosentaschen packen und wenn ich eine Situation oder einen Moment in meinem Alltag wirklich genießen konnte, verstaue ich jeweils ein Tier in meine linke Hosentasche. Ziel sei es, am Ende des Tages Hund, Katze und Fuchs in der linken Hosentasche zu haben (Setzt für mich übrigens voraus, meine Ausgehhosen anzuziehen, was schon schwierig wird :D). Ich habe ein bisschen gelacht, als sie mich gefragt hat, wann ich denn das letzte Mal überhaupt etwas genossen habe. Ich habe nämlich ziemlich lange überlegen müssen. Habe dann aber festgestellt, dass ich es genossen habe, mal wieder in einer Trainerfunktion zu sein. Spontan habe ich vergangene Woche, dass Zirkeltraining einer Freundin übernehmen müssen, welches ich sonst als Teilnehmerin besuche. Es hat mir mal wieder richtig Spaß gemacht, die Leute zu motivieren und ihnen bei der richtigen Ausführung der Übungen zu helfen. Bei meinem Sportpensum war der Kompromiss, dass ich von vier Runden, zwei Korrekturen mache und es hat mir einfach Freude gemacht. Es hat sich nicht wie eine Verpflichtung oder ein Muss angefühlt. Ich habe sowas schon mal gemacht und ich habe die Trainerrolle unfreiwillig abgeben müssen. Am Mittwoch und auch am Donnerstag durfte ich das Zirkeltraining leiten und konnte es so wunderbar genießen, diese Rolle übernehmen zu dürfen. Obwohl ich davor natürlich nervös war und mir wie verrückt Sorgen gemacht habe, dass ich es nicht hinbekommen, habe ich mich super schnell reingearbeitet und mich sicher gefühlt. Im Anschluss war ich wirklich gut gelaunt und aufgedreht. Aber erst in der Therapiesitzung mit meiner „Tierchen“ Aufgabe ist das erst aufgefallen. Das hat mir bewusst gemacht, wie dringend diese Aufgabe ist, um überhaupt mal die Genussmomente im Alltag wieder wahrzunehmen.

Direkt im Anschluss an die Therapiesitzung habe ich mir Weintrauben gekauft und einfach ganz allein aufgefuttert. Das habe ich ewig nicht mehr gemacht und das hat sich richtig gut angefühlt. Es ist zwar nur eine Kleinigkeit, aber für mich war es heute etwas ganz Großes.

Fuchs und Katze müssen heute noch in die linke Tasche. Wünscht mir Glück!

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