Die Maus im Porzellanladen

Treffen absagen, um Gefallen oder Hilfe bitten, Dinge einfordern, auf mein Recht bestehen, meine Meinung sagen. Alles Dinge, die erstens mit anderen Menschen zu tun haben und zweitens mir schon immer schwergefallen sind. Oft komme ich mir so vor als würde ich anderen auf die Füße treten, mich wie die Axt im Wald benehmen oder wie man so schön sagt: wie der Elefant im Porzellanladen. Ich habe Angst davor, dass ich zu viel von anderen verlange oder dann in zu großer Schuld stehe. Ich sorge mich ständig, ob ich die anderen zu wenig zu Wort kommen lasse oder mal wieder in ein Fettnäpfchen getreten bin. Sicherlich sagen meine Freunde nur nicht, wenn ich mich danebenbenommen habe, um mich nicht zu verletzen oder trauen sich einfach nicht mich zu kritisieren. Kritik ist unter anderem etwas, dass ich gerne hätte, wovor ich mich aber auch gleichzeitig fürchte. Ich möchte nicht bestätigt bekommen, dass ich unzulänglich bin. Nicht auch noch von anderen. Schon gar nicht von meinen Freunden. Deswegen entschuldige ich mich lieber, bevor mich jemand auf etwas anspricht und gehe den Situationen aus dem Weg. Frage lieber selten nach Gefallen, damit es nicht auf mich zurückfällt. Schlucke meine Meinung runter, bevor sich jemand beleidigt fühlt. Und mein Recht einzufordern lasse ich auch gleich bleiben, da kommt es zu Diskussionen und dann muss ich mich rechtfertigen. Seine Gefühle mitzuteilen ist genauso gefährlich, die sind nämlich erst recht nicht legitim. Also lebe ich mein Leben nach dem Motto „better safe than sorry“ und komme damit ganz gut zurecht, zumindest in Bezug auf andere. Ich bin die Maus im Porzellanladen, die denkt, dass alles zusammenstürzt, wenn sie zwei Sekunden nicht aufpasst und einen Teller umwirft. Eine Maus im Porzellanladen, die um Vergebung bittet, sobald sie einem Menschen auf den Fuß getreten ist. Letzteres muss ein albernes Bild abgeben. Wo der Mensch, die Maus doch gar nicht bemerken würde. Das denke ich mir manchmal auch, wenn mir ein unbedachtes Wort rausrutscht oder ich eine Verabredung abgesagt habe. Dass es den anderen wahrscheinlich gar nicht juckt, aber was, wenn doch? In meiner Kindheit durfte ich meine Meinung nicht sagen, meine Rechte galten nicht. Habe ich es doch mal gewagt für mich aufzustehen, gab es heftige Streits, Strafen und manchmal sogar Schläge. Ich habe gelernt mich zu ducken, kleinlaut zu sein und wie ein Mäuschen in Alarmbereitschaft durch die Welt zu schleichen. Alles was man tut, muss mit größter Vorsicht getan werden, vor allem aber richtig. Sonst bricht über einem alles zusammen. Pass auf, kleine Maus, du könntest alles kaputt machen! So spricht meine innere Stimme oft. In wie vielen Situationen habe ich mich schon im Nachhinein selbst fertig gemacht, weil ich nicht das gesagt habe, was ich eigentlich dachte. Wie schlecht habe ich mich gefühlt, weil ich nicht für mich aufgestanden bin, aus Angst der andere lehnt mich ab. Liebt mich dann nicht mehr, möchte nicht mehr mit mir befreundet sein? Leider habe ich in meinen engeren Beziehungen immer noch das Problem, dass meine Bedürfnisse und Gefühle oft nicht anerkannt werden und ich lasse es zu, aus Angst vor schlimmen Konsequenzen.

Manchmal wäre ich lieber der Elefant (ein kleiner zumindest).

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