Von Träumen und Lebenszielen

Meine Depression und meine generalisierte Angststörung reden mir an vielen Tagen ein, dass es keinen Sinn macht in die Zukunft zu planen. Dass es keinen Sinn macht, sich Ziele zu setzen oder zu Träumen. Entweder sind sie eh hoffnungslos oder zu kompliziert beziehungsweise unrealistisch. Komme ich doch mal dazu mir ein wenig Gedanken über meine Ziele zu machen, flüstert eine innere Stimme, dass ich da niemals hinkommen, dass ich es nicht schaffen werden. Häufig nimmt sie Bezug auf meine Unfähigkeit in jedem Lebensbereich, auf meine Unzulänglichkeit. Warum Träume haben, wenn man nichts kann und nicht gut genug für irgendwas ist? Wozu hoffen, dass die Zukunft was zu bieten hat? Und dann braucht man weder Ziele festlegen, noch sich anstrengen diese zu erreichen.

An einem Wochenende vor einigen Monaten saß ich in einem Seminar und sollte mir wichtige Lebensbereiche in einem Kreisdiagramm einzeichnen. Anschließend bekamen wir die Aufgabe, für jeden Lebensbereich ein Ziel anzugeben. Mir kamen fast die Tränen, weil mir diese Aufgabe unmöglich vorkam. Ich hatte keine Ahnung, wohin ich mit meinem Leben mal will und das was mir in den Kopf kam, wurde aufgrund innerer Hoffnungslosigkeit sofort wieder verworfen. Dieses Ereignis hing mir noch lange düster nach.

Als ich meinen ersten Blogeintrag schrieb, war ich in schlechter Verfassung, aber ich habe gegen meine innere Stimme angekämpft. Ich habe ewig gebraucht eine Seite zu erstellen. Ich hatte auch mehrere Anläufe, einige Hindernisse führten dazu, dass ich wieder aufgab, die Idee mit dem Blog verwarf. Mein Mann ermutigte mich immer wieder. Und an einem langen Wochenende setze ich mich hin und wagte es. Kämpfte mich durch und ignorierte die Ängste und Sorgen in meinem Kopf. Ich hatte mir das Ziel gesetzt, diesen Blog anzufertigen und ich habe es geschafft. Ein paar Wochen später bin ich immer noch dabei und sehr stolz auf mich. Durch die neuen Medikamente geht es mir auch viel besser und in meinem Kopf sind so viele Zukunftsideen und Träume, neue und vergessene, dass ich gar nicht weiß, wohin damit. Mir war gar nicht klar, wie viele ich vergraben und weggesperrt hatte. Ziele, die ich schon als Kind hatte, sind wiederaufgetaucht. Letzens ist mir sogar aufgefallen, dass ich einige Punkte von alten Bucket Lists schon abgehakt hatte, ohne es mitzukriegen. Als hätte ich unterbewusst doch immer auf mir persönlich wichtige Ziele hingearbeitet. Wir entwickeln kleine und große Ziele und Träume, einfache und unrealistische, für uns allein oder mit anderen. Manchmal sperren wir sie leider weg, lassen uns einreden, dass es nicht geht, vergessen sie.

Bei meiner letzten Therapiestunde sollte ich mir überlegen, was auf meinem Grabstein stehen würde, wenn ich jetzt sterben würde. „Sie hat sich immer über alles und jeden Gedanken gemacht“ ist irgendwie nicht ganz zufriedenstellend für mich. Bis nächste Woche soll ich mir überlegen, was ich gerne stattdessen drauf stehen hätte. Bei all den neuen Träumen in meinem Kopf macht mir diese Aufgabe sogar richtig Spaß , auch wenn die Auswahl nicht so einfach sein wird.

Egal, wie meine Lebenziele und Träume gerade aussehen, heute lasse ich sie zu und male sie aus. Ich träume sie bunt, groß und wild.

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