Die Angst vor Anfängen

Andere würden es Prokrastination nennen. Aber eigentlich würde ich wirklich gerne meine Arbeiten und Aufgaben erledigen. Eigentlich auch gerne alle nacheinander und so früh wie möglich. Manchmal habe ich richtig Lust darauf, meine Hausarbeiten zu beginnen. Doch diese vergeht schnell wieder. Was, wenn ich anfange und dann nicht mal eine Seite zustande kriege. Oder keinen Einstieg in das Thema finde. Ich habe es sicherlich schon zu lange vor mir hergeschoben. Und eigentlich war das eh nicht mein Thema und Hausarbeiten schreiben ist eh nicht mein Talent.

Wenn ich anfange meinen Zettelhaufen zu sortieren, werde ich herausfinden, dass ich Briefe nicht beantwortet habe, oder vergessen habe, etwas zu kündigen. Vielleicht muss ich dann in die Verwaltung oder Telefonate führen oder was einscannen. Das klingt vielleicht lächerlich banal. Für mich ist das jedoch ein Horror, was das für einen Rattenschwanz mit sich zieht. Bedeutet außerdem auch, wie unfähig ich bin, so einfache Sachen zu erledigen.

Fange ich an meinen Tisch aufzuräumen, muss ich vielleicht auch die Orte aufräumen, die als neuer Ablageplatz fungieren werden. Der Zettelhaufen kann dann auch nicht mehr ignoriert werden. Jeder Schmutz und jedes Staubkorn auf dem Boden führen dazu, dass ich fegen und wischen muss und wenn ich schon dabei bin zu wischen, kann ich ja auch gleich das Bad putzen. Dann fällt mir ein, dass die Waschmaschine auch mal wieder ausgewischt werden muss, und so weiter und so fort.

Entweder ich verzweifle an der ersten Teilaufgabe oder steigere mich soweit rein, dass ich den ganzen Tag nichts anderes mehr tue und am Ende völlig geschafft bin, mich ärgere, dass ich ja doch viel geschafft habe, aber eindeutig nicht genug (man kann nun mal nicht alles an einem Tag schaffen, wenn man sonst nichts macht). Am nächsten Tag gebe ich wieder auf und die Angst, Dinge zu beginnen, wächst mit jedem Tag. Dazu kommt, dass mich der Konzentrationsaufwand so anstrengt, dass ich jede kleine Erhebung an meinem Körper aufkratze, vorzugsweise Arme, Hals und Gesicht. Dann schaue ich mich abends an und hasse mich dafür, was ich mir schon wieder angetan habe. Und das alles nur, weil ich Dinge erledigen möchte, die jeder andere auch schafft. Ohne sich am Ende des Tages selbst zu zerfleischen. Ich komme mir so unglaublich faul und nutzlos vor, dass ich es manchmal kaum aushalte.

Mein einziger Lichtblick ist dieser Blog, der mich wieder daran führen soll, langsam wieder regelmäßig kleine Dinge zu erledigen. Anfangen zu schreiben, einfach mal wieder eine Seite zu verfassen. Einfach mal wieder etwas zu beginnen, ohne Angst.

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