Das Ding mit den Medikamenten

Versuch Nr. 2

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich mich entschieden, dass ich Medikamente nehmen möchte. Vor allem um Symptome wie Unkonzentriertheit, Grübeln und Gedankenabschweifen in den Griff zu bekommen. Vor einem Jahr war ich vehement dagegen. Schließlich lebe ich meistens nach dem Leitsatz: „Mein Körper muss schon selber damit klarkommen“. Und wenn man sich dann noch die ganzen Nebenwirkungen anschaut, da gruselt es einen. Eine davon macht mir besonders Angst: Gewichtszunahme. Absolute Horrorvorstellung, dass ich mein Gewicht nicht kontrollieren kann. Auch wenn ich weiß, dass es eigentlich nur am gesteigerten Appetit liegt. Ja, und die anderen Dinge klingen auch nicht viel besser. Medikamente sind schlecht, sagt mein Mann immer, und sind nicht auch bisschen wie Drogen, wenn sie gute Laune machen? Mit meinem psychologischen Wissen müsste ich es eigentlich besser wissen. Dass Antidepressiva keine Drogen im klassischen Sinne sind und dass sie auch nicht wie eine „Glückspille“ wirken. Bei chronischen „körperlichen Krankheiten“ werden auch Medikamente verschrieben, mit all ihren Nebenwirkungen. Die Antibabypille wird von so vielen Frauen genommen, mit all ihren Nebenwirkungen.

Nachdem ich dann im Studium wirklich nichts mehr auf die Reihe bekam und es mich wahnsinnig machte, nicht mal richtig zuhören zu können, habe ich mich für eine Medikation entschieden. Nach langem hin und her und Gesprächen mit meinem Partner und Freunden. Wenn ich eine Therapie machen wollte, wollte ich zumindest bei der Sache sein. Natürlich erwähnte ich meine Angst vor der Gewichtszunahme und bekam dementsprechend ein Präparat, bei dem die Wahrscheinlichkeit dafür geringer war.

Die erste Woche habe ich nicht viel gemerkt. Dann wurde die Dosis erhöht – Schwindel, Mundtrockenheit, Müdigkeit, Gähnen, Einschlaf- und Durchschlafprobleme, Schwitzen. Meine Therapeutin war nicht begeistert, vermisste meine Energie. So depressiv habe ich mich noch nie gefühlt. Aber das kann passieren und ist nicht ungewöhnlich. Nachdem ich dann jedoch außergewöhnlich drängende und detaillierte Suizidgedanken hatte und sich die Nebenwirkungen nach vier Wochen kaum reduziert hatten, war ich mir ziemlich sicher, dass dieses Medikament nicht das richtige ist. Ein Vorteil hatte das Ganze: ich musste nicht mehr weinen. Der Preis war mir aber zu hoch.

„Nimmst du dann jetzt keine Medikamente mehr?“ Doch. Denn auch wenn ich keine gute Zeit hatte mit dem ersten – ich möchte stabil sein und mich auf meine Heilung konzentrieren können. Ich habe also mein erstes abgesetzt. Die Nebenwirkungen, die damit einhergingen waren anders. Es fühlte sich ein paar Tage an, als würde ich in meinem Kopf ständig Stromschläge verpasst bekommen. Unangenehm. Auf meiner Trekkingtour waren sie zum Glück weg. Letzten Samstag habe ich mit einem anderen Medikament begonnen. Versuch Nummer 2. Drückt mir die Daumen!

 

 

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