Was, wenn…

Grundsätzlich quäle ich mich immer mit der Sorge, zu versagen. Hat früh angefangen. Ist leider auch der Grund, warum ich grundsätzlich meine Fähigkeiten runterspiele, meine Leistungen sowieso, bis zu dem Punkt, an dem ich selbst das Gefühl habe, nichts mehr zu können und alle meine Leistungen pures Glück waren. Ich habe das Gefühl, Erfolg und Leistung nicht auf mich selbst zurückführen zu können. In der Psychologie würde man von einer geringen Selbstwirksamkeitserwartung sprechen. Wenn ich heute etwas schaffe, versuche ich erstmal alle äußeren Faktoren dafür verantwortlich zu machen: die Prüfung war auch wirklich leicht, das Thema war schließlich auch gut verständlich, der Boden der Laufstrecke war ideal für Läufe, das Wetter war besonders gut, das Gespräch mit der Freundin hat mich von der Anstrengung abgelenkt… Ich kann unendlich so weiter machen. Irgendwas finde ich immer als Begründung. Gibt es jemanden unter euch, der auch das Gefühl hat, dass alles was er jemals geschafft hat, gar nichts mit ihm selbst zu tun hatte? Mir fällt es wirklich schwer, von mir selbst überzeugt zu sein. Deswegen fordere ich selten Dinge ein. Jemand anderes hat es sicherlich mehr verdient, weil er viel mehr als ich geleistet hat. Und dann stehe ich da, mit leeren Händen und winzigem Selbstbewusstsein. Oder ich habe Angst, wenn eine Aufgabe auf mich zukommt, dir mir zu groß erscheint. Manchmal glaube ich sogar, dass ich absichtlich vor einer Aufgabe sage, dass ich sicherlich zu schlecht dafür bin, um mich bei tatsächlichem Versagen vor Kritik zu schützen. Und um dem so oder so aus dem Weg zu gehen, strenge ich mich natürlich noch doppelt und dreifach an, manchmal über meine Grenzen hinweg. Das fühlt sich kein Stück besser an. Nächste Woche mache ich eine Trekkingtour, fünf Tage lang. Ich mache mir seit drei Wochen unentwegt Gedanken darüber, ob ich das schaffe. Und es geht nicht nur ums Schaffen, ich sollte das am besten mit Leichtigkeit schaffen. Was, wenn es mir nachts zu kalt wird, oder wegen des Bodens nicht schlafen kann? Was, wenn ich nach zwei Tagen einfach zu kraftlos bin? Was, wenn ich den Rucksack nicht mehr tragen kann? Was, wenn? Die Frage, die mir immer und immer wieder seit Jahren durch den Kopf schießt und mich nicht in Ruhe lässt. Aber was, wenn es Spaß macht und ich es mit Leichtigkeit schaffe? Dann war vielleicht das Wetter gut und die Tagesziele für die anderen zwei Begleiter zu niedrig gesetzt (die sind schließlich eh fitter als ich). Leider ist das übermäßige Sorgen machen Bestandteil meiner Krankheit und jetzt noch nicht abänderbar für mich. Das macht es für mich oft unmöglich, mit Zuversicht an solche Aktivitäten zu gehen. Überhaupt mit Zuversicht in die Zukunft zu gehen. Die ist schließlich genauso ungewiss, wie die Tour. Da höre ich die eine Stimme in meinem Kopf, die sagt: „Du bist zu schlecht, um das zu schaffen“ und die andere, die sagt: „Es wäre purer Zufall, sollte das Gegenteil passieren“. An manchen Tagen, so wie heute, siegen die Angst und die Sorgen und es fühlt sich so an, als hätte ich gegen mich selbst verloren.

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